5 Handgriffe, mit denen Rollen und Pinsel nach dem Streichen länger halten
Ein typischer Anfängerfehler ist, den Überstand an der Laibung mit der Schere zu kürzen. Das geht fast immer schief, weil die Schere das Papier staucht. Besser ist ein Cuttermesser mit frischer Klinge und ein Lineal oder eine Tapetenkante als Führung. Bei sehr glatten Untergründen kann man die Schnittkante vorher mit einem feuchten Schwamm leicht anfeuchten. Das Papier gibt dann nach, ohne zu reißen.
Farbreste sind der häufigste Grund, warum Pinselborsten verkleben und Rollenflore verfilzen. Wer Werkzeug nach dem Streichen nur kurz unter den Wasserhahn hält, riskiert, dass Reste in den Wurzelbereich eindringen und dort aushärten. Die Folge: borstige Pinsel, die keine saubere Kante mehr ziehen, und Rollen, die Farbe ungleichmäßig abgeben. Die Rettung ist einfach: sofort nach Gebrauch gründlich auswaschen, bevor irgendetwas antrocknet. Wer das einmal verinnerlicht, spart sich den Neukauf und ärgert sich nicht über schlampige Ergebnisse.
Vor dem Anrühren des Kleisters wird die Wand geprüft. Alte Farbschichten, die abblättern, müssen entfernt werden. Kreidende oder stark saugende Untergründe bekommen eine Grundierung, sonst zieht die Wand den Kleister ungleichmäßig weg und die Bahn sitzt nach dem Trocknen nicht mehr fest. Leichte Unebenheiten lassen sich mit einer Spachtelmasse ausgleichen. Nach dem Trocknen wird die Fläche abgeschliffen und entstaubt. Erst dann ist der Untergrund bereit für den Kleister.
Vorbehandlung statt Überstreichen Kreidende Farbe lässt sich nicht einfach überstreichen. Die Schicht muss entfernt werden, bis ein tragfähiger Untergrund sichtbar ist. Bei leichtem Abrieb genügt gründliches Abbürsten mit einer harten Wurzelbürste und anschließendes Abwaschen mit klarem Wasser. Bei stärkerer Kreidung ist ein Abbeizer oder mechanisches Abtragen nötig. Sandender Putz wird nicht abgewaschen, sondern abgebürstet, bis der Sand nicht mehr rieselt. Danach die Fläche vollständig trocknen lassen – Restfeuchte ist ein häufiger Grund für späteres Abplatzen.
Sandender Putz und kreidende Farbe sehen auf den ersten Blick harmlos aus. Man streicht darüber, und nach wenigen Wochen platzt die neue Beschichtung wieder ab oder lässt sich mit dem Fingernagel wegkratzen. Der Fehler liegt fast nie am neuen Material, sondern am Untergrund. Wer die Ursache ignoriert, saniert zweimal – und zahlt doppelt.
Ein typisches Problem entsteht bei der Verlegung über mehrere Räume hinweg. Werden die Räume ohne Trennfuge durchgelegt, addiert sich die Längenänderung. Spätestens an der nächsten Türschwelle muss eine Dehnungsfuge eingebaut werden. Diese wird oft mit einer Übergangsschiene abgedeckt. Wichtig ist, dass die Schiene nicht fest mit beiden Bodenflächen verklebt wird, sonst wird die Bewegung wieder eingeschränkt. Besser ist eine Schiene, die auf einer Seite fest und auf der anderen Seite beweglich aufliegt.
Erst wenn der Untergrund fest, trocken und gleichmäßig saugend ist, wird gestrichen. Die neue Farbe sollte zum Untergrund passen: Auf mineralischen Putzen sind mineralische oder Silikatfarben meist die bessere Wahl, weil sie dampfdurchlässig bleiben. Dispersionsfarben können auf feuchten oder salzhaltigen Untergründen abplatzen. Beim Streichen zwei dünne Anstriche statt eines dicken Auftrags auftragen. Zwischen den Anstrichen die angegebene Trockenzeit einhalten – nicht nach Gefühl, sondern nach technischem Merkblatt.
Beim Tapezieren entscheidet nicht die Menge des Kleisters über das Ergebnis, sondern die Frage, wo die Bahn geschnitten und wo sie gefaltet wird. Wer an jeder Kante sofort zur Schere greift, produziert offene Stoßkanten, die sich später lösen. Wer dagegen alles faltet, bekommt Wellen und Blasen. Die Faustregel lautet: In Innenecken wird gefaltet, an Außenecken und an Fensterlaibungen wird geschnitten. Wer diese zwei Regeln verwechselt, sieht den Fehler nach dem Trocknen unweigerlich an der Wand.
Wer sich unsicher ist, probiert beide Techniken zuerst an einem kleinen Stück Resttapete aus. Falten an der Innenecke, Schneiden an der Außenecke und an der Fensterlaibung: Diese drei Entscheidungen bestimmen, ob die Tapete nach dem Trocknen eben liegt oder ob sich die Kanten wieder ablösen. Ein sauberer Schnitt braucht weniger Kraft als Geduld, und eine gefaltete Innenecke braucht weniger Kleister als Sorgfalt.
Beginnen wir mit der Innenecke. Die erste Bahn wird so breit zugeschnitten, dass sie etwa zwei bis drei Zentimeter über die Ecke in die zweite Wand hineinreicht. Diese überstehende Kante wird satt an die Ecke gedrückt, aber nicht abgeschnitten. Anschließend klebt man die zweite Bahn bündig in die Ecke und drückt sie fest. Erst jetzt schneidet man mit einem scharfen Cuttermesser durch beide Lagen hindurch, zieht die überstehenden Streifen ab und drückt die Naht nochmals an. Der Vorteil: Die Bahnen stoßen exakt aufeinander, ohne dass ein Spalt entsteht. Wer stattdessen die erste Bahn direkt an der Ecke abschneidet, riskiert eine sichtbare Fuge, die bei jedem Sonnenlicht auffällt.